Streifenkritiken #4

3. Januar 2012 um 02:56 | Veröffentlicht in Kino / Film | 18 Kommentare
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Eine Rom-Com mit Nazis, einen Thriller mit einem politisch motivierten Psycho-Killer, ein Drama um streitende Ehepaare und eine Buddy-Action-Komödie mit Cops – meine nunmehr vierten Kurzkritiken haben sicher für jeden Geschmack etwas zu bieten. Nach dem Klick gibts Lesestoff.

Rubbeldiekatz (2011)

„Ich mein‘, das ist doch ne super Rolle für ne junge, talentierte Schauspielerin!“ – „Ja, aber du bist ein grosser hässlicher Typ!“

Der Schauspieler Alex wittert die grosse Chance auf eine Rolle in einem amerikanischen Nazi-Film, der in Deutschland gedreht wird – doch gesucht wird nur die weibliche Hauptdarsteller. So verkleidet er sich als Frau, und narrt damit unerwartet alle Crewmitglieder – und damit auch Sarah, in die Alex verliebt ist, die aber wiederum in ihm eine gute Freundin sieht. Und so steht Alex vor der Wahl: Job oder Liebe.

Dass die erste deutsche Rom-Com dieser Art ohne Til Schweiger in letzter Zeit ein bisschen ein Remake ist, erfuhr ich erst im Nachhinein, nachdem ich den Film mit unzähligen Schwulenpärchen im Kino gesehen habe. Doch Rubbeldiekatz funktioniert nicht immer – gerade wenn es darum geht, die Peinlichkeiten und Probleme, die mit Alex‘ Doppelspiel kommen, auszuschöpfen, zeigen sich die Macher ideenlos. Eine überlange Schlussliebesstory sowie ein liebloser Tarantino-Verschnitt, der nicht einmal richtig englisch kann, tun ihr übriges, sodass vom Film nur „Switch“-Tausendassa Max Giermann als Hitler positiv in Erinnerung bleiben – eine Rom-Com mit dem Führer als Comic Relief, das gibts nun wirklich nicht alle Tage.

Red Eye (2005)

„Lisa, whatever female-driven, emotion-based dilemma you may be dealing with right now, you have my sympathy. But for the sake of time and sanity, let’s break this down into a little male-driven fact-based logic. One simple phone call saves your dad’s life.“

Auf dem Red Eye-Flug, also einem Nachtflug von Dallas nach Miami, lernt die Hotelangestellte Lisa den sympathischen Jack kennen. Doch schon schnell stellt sich heraus, dass Jack nicht zufällig neben ihr sitzt – er droht ihr, dass seine Kollegen Lisas Vater töten, wenn sie nicht einen Gouverneur im Hotel in ein anderes Zimmer weist. So können Jack und seine Leute, denen der Gouverneur ein Dorn im Auge ist, diesen besser ausschalten, und so ist es an Lisa, zwischen zwei Leben zu entscheiden – sofern ihr nichts einfällt, mit dem sie Jack loswerden kann.

Cillian Murphys Zusammenarbeit mit Horror-Spezialist wurde von Kritiken immer wieder gelobt, und ich konnte mich nun vergewissern: Red Eye ist von der ersten bis zur letzten Minute ein zugleich spannender und schockierender Thriller mit zwei bestechenden Hauptdarstellern. Doch vor einigen Fettnäpfchen ist auch dieser Film nicht gefeit – so macht man sich zwar auch im Film über den Namen „Jack Rippner“ lustig, aber wirklich besser macht das den Namen des brutalen Hauptdarstellers nicht. Dazu kommt eine stark abgedrehte und in Slapstick abdriftende Schlussszene, bei der Craven jedoch nicht viel Schlimmeres anstellt, als Cillian Murphy röchelnd rumrennen zu lassen, und selbst das sorgt immerhin noch für Belustigung. Alles in Allem also ein solider Horrorthriller, der die Urangst des Fliegens auf höchst unangenehme Weise behandelt.

Carnage (2011)

„I am glad our son kicked the shit out of your son and I wipe my ass with your human rights!“

Zwei Elternpaare treffen sich, um einen Vorfall, bei dem der Junge der einen Familie jenen der anderen verletzt hat, zu diskutieren. Das Ziel ist ein gesittetes Gespräch bei Kaffee und „Cobbler“, doch das scheint einfacher, als es tatsächlich ist – denn niemand will wirklich an dieser Unterhaltung teilnehmen, und so dauert es nicht lange, bis die Eltern unterstützt von reichlich Scotch ihr wahres Gesicht zeigen, und damit nicht wirklich viel zur Schlichtung der Streitigkeiten beitragen.

Erwartet habe ich viel von Roman Polanskis Carnage, und so ganz hundertprozentig erfüllen konnte er sie dann aber doch nicht. Das liegt ganz einfach daran, dass ihm der grosse Knall, der richtige Höhepunkt fehlt – Ungeachtet dessen ist der Film aber eine einwandfreie und vor allem schwarzhumorige Komödie, die uns mit falscher Höflichkeit, Heuchlerei und unserem Stolz konfrontiert – und den Problemen, die diese, wenn sie in übermässigem Masse auftauchen, mit sich ziehen. Dass die Kinder letzten Endes die besseren Eltern sind, bzw. umgekehrt – diese Pointe ist nicht wirklich überraschend, doch selbst diesen Schnitzer macht Polanski wett: Mit einem spannenden Storytelling, umwerfenden Darstellern, sowie gekonnten Aufnahmen darf „Carnage“ getrost als eine der prickelndsten Komödien des Jahres bezeichnet werden.

Hot Fuzz (2007)

„Have you ever wondered why, why the crime rate in Sandford is so low, yet the accident rate is so high?“

Weil seine Festnahmequote die der anderen Londoner Cops um 400 Prozent übersteigt und er sie damit in ein schlechtes Licht rückt, wird Nicholas Angel zwangsversetzt – in ein verschlafenes Nest namens Sandford, das die niedrigste Verbrecherrate Englands aufweist. Unterstützt vom verfressenen Ermittler Danny Butterman ermittelt er in einer völlig neuen Welt, in der jeder Jeden kennt, und in der keiner Fliege etwas zuleide getan wird. Doch einige verdächtige „Unfälle“ stimmen Angel misstrauisch, und bringen ihn auf die Fährte einer teuflischen Verschwörung.

Selbst wenn ich von ihm nur „Scott Pilgrim vs. the World“ gesehen habe, ist der Stil von Edgar Wright auch in Hot Fuzz unverkennbar. Unerwartete und epische Shots, rasant geschnittene Action und verdammt bescheuerte Dialoge voller Popkulturliebe beweisen, warum der smarte Brite die perfekte Wahl für meinen Lieblingsfilm war. Aber zu „Hot Fuzz“: Der zweite Teil der „Blood and Ice Cream“-Trilogie überzeugt nicht nur durch eingangs erwähnte Aspekte, sondern auch durch tiefschwarzen und typisch britischen Humor, sowie einen umwerfenden und spielfreudigen Cast – neben den beiden Dummerchen Simon Pegg und Nick Frost spielen Ex-Bond Timothy Dalton und Jim Broadbent zwei, äh… Bewohner von Sandford und mit Bill Nighy, Martin Freeman, Cate Blanchett, Stephen Merchant und sogar Peter Jackson haben unzählige Filmgrössen zum Teils Cameoauftritte, was die Coolness des Films, der als englischer „Bienvenue chez les Ch’tis“ (natürlich weiss ich, dass der Film vorher war) beginnt, und als Kleinstadtwestern endet, noch deutlicher unterstreicht.

18 Kommentare »

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  1. Du hast… du hast Shaun of the Dead noch nicht gesehen…?

  2. Du hast… du hast Shaun of the Dead noch nicht gesehen…?

    Ansonsten: Ich mag Red Eye und ich liebe Hot Fuzz. Rubbeldiekatz klingt in meinen Ohren grenzenlos scheisse und Carnage würde ich mir ja gerne anschauen, so er dann hier auf Englisch laufen würde. Daher wohl erst auf Bluray. Zu gegebener Zeit.

  3. Du hast… du hast Shaun of the Dead noch nicht gesehen…? (Muss man so jeden KOmmentar beginnen?😉 )

    Ansonsten: Ja, Ja, Ja und Ja. Dem kann ich nur zustimmen.

  4. Ihr seid alle elende Mümümüs!😦
    @Damian: Ich denke, das fasst meine Meinung sehr gut zusammen, obwohl mich Carnage nach dem deutschen Trailer auch auf deutsch interessieren würde. Weil da Christoph Waltz einfach einen verdammt guten Voicingjob abzulegen scheint.

  5. Ich kann zu „Carnage“ sagen, dass die Synchro wirklich gut ist, obwohl mir der Vergleich zum Originalton noch fehlt.
    Zu „Red Eye“ habe ich doch auch schon öfter gelesen, vielleicht wird es Zeit, den Film in Angriff zu nehmen.

  6. Ich bin mir nicht sicher, ob ich „Red Eye“ schon mal gesehen habe. Aber „Carnage“ würde ich gerne sehen, „Hot Fuzz“ habe ich gesehen und der ist großartig. „Rubbeldiekatz“ kann nur scheiße sein und wird von mir ignoriert.

  7. Und guck „Shaun Of The Dead“.

  8. @Dos: Na eben. Der Originalton ist gewohnt sehr gut, ich kenne den Vergleich zur Synchro aber ebensowenig🙂
    @Xander: Dann sind wir in Etwa einer Meinung.😉

  9. Carnage muss ich auch noch sehen, Red Eye klingt ganz interessant. Mal merken.
    Ach ja: Du hast… du hast Shawn of the Dead nich gesehen? Macht nix. Der Film ist definitiv lustig, sehr sogar, kommt aber imo nicht mal annähernd an die Genialität von Hot Fuzz ran. Wenn du mal Lust auf Zombie-Komödie hast, schau ihn dir an😉
    Und Cameos von Cate Blanchett und Peter Jackson? Oo Ich hab den Film bestimmt 6, 7 Mal gesehen, aber die beiden sind mir noch nie aufgefallen. Wo sollen die denn vorkommen?😀

  10. Lustig – ich wollte gerade sagen, dass mir RED EYE besser gefiel als CARNAGE, doch die Sterne sprechen eine andere Sprache.😉 Ich denke, der Film bleibt nachhaltiger haften, sodass man über einige Malheurs von Mr. Craven hinwegsieht. Aber auch CARNAGE ist sehr gelungen, was mich störte, schrieb ich ja bereit.

    Und Lust auf Zombiekomödien habe ich in der Tat!😀

    Cate Blanchett spielt Janine (hinter dem Mundschutz), Peter Jackson den messerstechenden Santa zu Beginn. Und nein, das wusste ich jetzt nicht einfach so, ich habs auch erst gesehen, nachdem ich Wiki konsultiert hab.

  11. Stimmt, das mit Janine (die Szene ist sowieso zu genial) könnte hinkommen. Aber Santa Jackson hätte ich niemals erkannt…

  12. Jup, diese Szene war wirklich verdammt genial.

  13. 9,5 Punkte für Carnage? Juhuu, das steigert die Vorfreude. Morgen kann ich ihn auch endlich sehen.🙂

  14. Geniess es, der Film ist wirklich okay🙂

  15. Ich gehe jetzt Carnage gucken. Ich bin gespannt.

  16. Du hast… du hast Carnage noch nicht gesehen…?

  17. Ich weiß gar nicht was immer alle mit „Red Eye“ haben. Die erste hälfte ist zweifellos spannendes Thrillerkino, die zweite dafür umso mehr Gähn und an-den-Kopf-Klatsch. Gehört nicht zu Cravens besten Werken.

  18. Im Prinzip hast du schon recht, zumindest was den Qualitätsunterschied der Hälften betrifft. Ich fand aber auch die zweite Hälfte durchaus unterhaltsam.


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