Dröhnen, Dalí und Büffel

19. Februar 2011 um 01:59 | Veröffentlicht in Ich, Musik, Tag | 3 Kommentare
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Ich glaube, ich habe ja schon erwähnt, dass ich heute Abend an einem Konzert der ausserordentlich awesomen The Phoenix Foundation im Komplex 457 in Zürich war. Da ich eigentlich nicht der Konzertgänger bin, der ich gern wäre, sprich seit gut einem Jahr live-musik-trocken bin oder war, erstaunt es auch nicht, dass ich die Tickets für dieses Konzert nicht gekauft, sondern gewonnen hatte. Eine gute Kollegin von mir, ein Musikfreak sondergleichen, verloste drüben auf ihrem Blog Highrotation Tickets für das Konzert. „Warum nicht?“, hab ich mir gedacht, in die Musik reingehört, und spätestens bei „Bitte Bitte“, war klar – da muss ich hin. Tatsächlich hatte sie noch Tickets, und so musste ich nur noch die passende Begleitung finden. Nach zwei Absagen fragte ich ganz spontan eine andere, gute Kollegin und sie war sofort dabei, denn auch ihr gefiel der Sound der sechs Neuseeländer.

Die Vorband stammte aus Dänemark und lief unter dem Namen N*Grandjean (der Lead-Sänger heisst Nikolaj Grandjean). Ebenso verhalten wie der anfangs mit Nerdbrille und schüchternem Blick präsentierte sich ihre Musik: Lockere Hintergrundbeschallung, der man nicht zuviel Aufmerksamkeit schenken sollte. Ein, zwei Scherze („My Girlfriend left me…“ – „Ooooooh :(“ – „Well, actually, I left her…“ – „Ooooooh -.-„) lockerten die Stimmung jedoch rasch auf, und auch ihre Musik wurde zunehmend besser. Besonders gefiel mir der Track „Island„, der mit „The next Song is called Island. Like… Island…“ angekündigt wurde. Der geheime Star der Band, bzw. auch des Abends war der Perkussionist, Keyboarder und Backgroundsänger der Band, kurz, das Mädchen für alles, der sich mit Dalí-Schnauzer präsentierte und die Zuschauer mit seiner Stimme abwechselnd zum Lachen brachte und in Staunen versetzte. So zum Beispiel, als er beim Track „Heroes and Saints“ plötzlich ganz im Stile eines Startenors zu Singen begann. OMG. Das Video zeigt das zwar auch so schön, man sollte aber anmerken, dass es nicht annähernd so falsch klang und viel stärker und imposanter. Also der Pavarotti-Startenor-Teil. Ab 2:00 etwa.

Das wäre ganz schön gewesen, wäre der Sound nicht Amok gelaufen. In unregelmässigen Abständen, und wenn man es am wenigsten erwartete, ging der Verstärker in einem Rauschen/Dröhnen ab, das durch die Boxen schallte und den Raum von einem Augenblick zum anderen zum auditiven Gruselkabinett machte. Nach dem Auftritt von N*Grandjean und etwa einer halben Stunde Reparatur/Austauschen des Verstärkers hoffte man, der Spuk sei vorbei, aber bereits früh kamen auch The Phoenix Foundation in den Genuss der vollen Dröhnung, um es so auszudrücken. Dabei war auch ihr Auftritt gelungen, sie hatten das Publikum bereits rasch in der Hand, sodass spätestens beim vierten, fünften Track kaum einer mehr stillstand. Es war zwar etwas bedauerlich, dass die Band beinahe „nur“ Titel von ihrem neuen Album „Buffalo“ zum Besten gaben, aber vermutlich wären bei der Zugabe noch mehrere Tracks aus ihren älteren Scheiben zum Zug gekommen. Leider kam es aufgrund des Soundmassakers, das der Verstärker gegen Schluss in immer kürzer werdenden Intervallen startete, nicht mehr dazu. Die Band spielte lediglich eine, etwas ruhige, und vermutlich improvisierte Zugabe und düste dann unter Dröhnen, diesmal wegen dem tosenden Applaus, ab.

Der wohl beste Track der Band war ein improvisierter, als der Verstärker das erste Mal, mitten im Album-Titeltrack „Buffalo“ abging, und das schöne Stück brutal zerriss. Die Band spielte, nachdem der Verstärker von der vermutlich auch ziemlich strapazierten Technikcrew ausgeschaltet wurde, weiter, als wäre nichts passiert, jedoch nicht das angespielte „Buffalo“, sondern einfach ein improvisiertes Stück, das irgendwo an der Grenze zwischen Blues und Indie, sofern es eine solche gibt, wandelte. Aber natürlich war auch ihr restliches Repertoire, das grösstenteils aus eher fetzigeren, schunkel- bis tanzbaren Titeln bestand sehr gut, obwohl ich ihre Musik nur ein bisschen auf YouTube angehört habe, erkannte ich viele Titel, von denen mir die meisten bereits im Vorfeld sehr gut gefielen. Die Stimmung im Komplex 457 war ausgelassen, aber nicht übertrieben partymässig, sondern vielmehr friedlich, fröhlich und aufgelockert. Der Amok-Sound hinterliess zwar einen leichten Kratzer im Lack, mehr konnte er die gute Stimmung und die Qualität der Bands jedoch nicht drücken.

3 Kommentare »

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  1. […] is on Twitter as @Spaloo and here‘s the review on his blog, if you’d like to practice your German. from → […]

  2. Das mit dem kaputten Verstärker liest sich wirklich doof, aber nichtsdestotrotz scheints ja ein tolles Konzert gewesen zu sein. Und auf den Bart da oben bin ich unbeschreiblich neidisch :/

  3. Joa, es war (trotzdem) wirklich ganz cool, ich glaube, sie waren kurz danach auch in Deutschland. 🙂 Hast vermutlich ein paar Jahre Zeit, dir den Bart zuzulegen, bis sie wieder auf Tour gehen. A propos Bart: Falls du Kashmir kennst ->

    Und die CDs hab ich nicht vergessen, kommen asap. 🙂


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