Das wandelnde Schloss (2004)

16. April 2010 um 22:38 | Veröffentlicht in Kino / Film | 8 Kommentare
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Heute Abend habe ich mir auf DVD Das wandelnde Schloss angesehen, einen weiteren Film von Hayao Miyazaki, von dem ich bereits Reviews zu Prinzessin Mononoke und Nausicaä aus dem Tal der Winde geschrieben habe.

Dieser Film ist bisher der schlechteste, den ich von Miyazaki gesehen habe, er hat zwar einige gute Ansätze und Ideen, doch letztlich vermag der Funke nicht ganz rüberspringen. Ich habe auch das Gefühl, dass der “Meister” ein wenig seinen Biss verloren hat, was sich mir durch die Kritiken zu seinen neuesten Filmen (Das wandelnde Schloss und Ponyo, das verzauberte Goldfischmädchen) bestätigt.

Story

Die junge Hutmacherin Sophie trifft zufällig den Zauberer Hauro, der ihr aus einer misslichen Situation hilft und in den sie sich verliebt. Aus Eifersucht belegt sie die alte Hexe aus dem Niemandsland mit einem Fluch, der sie altern lässt, und von dem sie niemandem erzählen kann. Beschämt begibt sie sich von der Stadt weg und gelangt zum Wandelnden Schloss, das Hauro gehört und arbeitet dort als Putzhilfe. Bald wird Hauro vom König aufgefordert seine Dienste dem Land bereitzustellen, als ein Krieg ausbricht. Pazifist Hauro will sich weigern, doch die Zauberin Suliman, seine alte Meisterin, die für den König arbeitet, ist im auf der Spur, und letztlich liegt es in Sophies Händen, Hauro zu retten und ihren Fluch zu brechen…

Ziemlich verwirrende Story, das. Ich musste offen gesagt für die Kurzfassung selbst nachschlagen, einfach weil der Film unglaublich verworren ist, dies aber bereits auf eine Art, dass man oft stockt, und sich fragt, wo man ist. Überhaupt kriegt man als Zuschauer das Gefühl, in eine Welt gefallen zu sein, in der alle anderen mehr wissen als man selbst. Man glaubt, der Geschichte hintennachzuhinken, ähnlich wie die alte Sophie, und glaubt, dass man immer wieder etwas verpasst hat. Die aufgeworfenen Fragen werden, wie das bereits in Chihiro der Fall war, nicht beantwortet. Das ist zeitweilen ziemlich ätzend und schadet dem Film als Gesamtes sehr.

Artwork

Dieser Film war zwar ein Anime, aber kein typischer Miyazaki-Film. Zeitweilen schien er wie ein Tim und Struppi-Film, der auf diesem Comic mit den syldvanischen Soldaten basiert. Zwar hat Miyazaki seine Inspiration aus dem Elsass und sicherlich versuchte er, diesen Stil in den Film einfliessen zu lassen, doch ich glaube, dadurch hat er seinen eigenen Stil verlassen.

Das Feeling, das einem überkommt, wenn man einen Miyazaki-Film schaut, wenn man denkt: “Hey, das schaut genau aus wie in diesem Film, das ist jetzt typisch Miyazaki!” kommt kaum, oder wenn, nur beim wandelnden Schloss und vielleicht noch dem ein oder anderen Kampfschiff auf, das ist aber auch schon alles. Auch die Beschriftung der Schilde und Tafeln auf englisch nimmt dem Film das letzte bisschen Anime-Flair. Da kann man noch so Manga-Figuren zeichnen, ein richtiger Miyazaki lebt von der richtigen Dosierung der richtigen Zutaten.

Synchronisation

Ich schaue Filme lieber im O-Ton, aber da ich bei den Anime vom Japanischen eh nix hab und das nur ablenkt, und weil die Filme auf Arte eh auch nur auf deutsch laufen, sehe ich diese Anime ausnahmsweise in der deutschen Synchronisation. Die bisherigen Filme waren alle in Ordnung, ich mochte vorallem Nina Hagen als böse Hexe in Chihiro, ansonsten gab es nichts speziell zu erwähnen noch zu bemängeln. Hier gibt es gerade beides. So finde ich die Stimme des Dämonen Calcifer lobenswert, das gibt dem Film diesen komischen Effekt. Dafür störte mich schon bald die Synchronisation der Sophie, die auch als junge Frau wie ein ältere Dame klingt, sehr. Es war einfach unglaubwürdig. Da hätte man ruhig eine Sprecherin suchen können, die eine junge und eine alte Stimme beherrscht, oder dann gerade zwei verschiedene.

Soundtrack

Der Soundtrack ist unscheinbar, ich kann mich gerade noch knapp an das Stück im Abspann erinnern, ansonsten glaube ich nicht, dass ich noch eine Melodie erkennen könnte. Zwar ist mir aufgefallen, dass Komponist Joe Hisaishi oft auf französische, elsässische Harmonika- und Geigen-Klänge zurückgriff, doch dies nur vereinzelt und kaum merklich. Nach einigem Hören auf YouTube muss ich sagen, dass die Musik sehr gut ist, trotzdem vermag sie mich in Kombination mit dem Bild nicht zu überzeugen, wenn ich mich kaum an sie erinnern mag.

Das wandelnde Schloss verfügt über gute Ideen, grossartige Ansätze und eine Story, die gut ausgebaut werden könnte. Doch das wurde nicht getan, und die Ansätze wurden in meinen Augen an den falschen Enden aufgegriffen, und zu einem undurchschaubaren Wirrwarr zusammengesponnen. Leider nix gewesen…

Bilderquelle: Filmposter-Archiv.de

8 Kommentare »

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  1. Aye, es ist der schlechteste Miyazaki. Das macht den Film nicht wirklich schlecht, aber wirklich gut ist das auch nicht gewesen. Die Story an sich war für mich nicht das Problem, eher die Tatsache, dass mich der Film emotional nicht so angesprochen hat, wie das bei Miyazaki-Filmen üblicherweise der Fall ist.

  2. Jep, er ist nicht schlecht an sich, die anderen Miyazaki, die ich gesehen habe, waren einfach alle besser. Aber ich denke, dass das Nicht-Emotional-Ansprechen gewissermassen eine Folge der nicht wirklich gelungenen Story und des lustlosen Artworks ist.

  3. Na, irgendwie muss das ja an der Story liegen. ;-) Ich meine nur, dass mir deren Grundzüge eigentlich gut gefallen haben. Hauro ist ein herrlich zwiespältiger Charakter, und seinen Film mal nicht in ein typisch japanisches Setting zu verlegen halte ich für keine wirklich schlechte Entscheidung von Miyazaki. Nur … irgendwas hat dann doch gefehlt. Zu viele Wendungen: Die Hexe aus dem Niemandsland ist auf einmal die gute alte Großmutter, Sophie findet sich plötzlich in Hauros Kindheit wieder – vielleicht war das alles etwas zu sehr über die Stränge geschlagen.
    Das Artwork ist mir eigentlich nur bei Sophie negativ aufgefallen, die mir in ihrer Darstellung vor allem als junge Frau so gar nicht zugesagt hat.

  4. Beim ersten gebe ich dir Recht, aber ich glaube, mit dem Versuch, aus dem japanischen Setting herauszugehen, ging Miyazaki etwas zu weit. Das japanische Feeling will nicht mehr aufkommen, und die Figuren wirken in der “europäischen” Welt völlig deplaziert.

    Die Wendungen waren auch ein bisschen viel, vorallem das Ganze mit der Kindheit verwirrte mich komplett.

    Dafür fand ich das Artwork bei Sophie nicht schlecht, sie sollte ja gewissermassen ein bisschen das hässliche Entlein darstellen, das sie ja dann im Laufe des Films mehr und mehr ablegt (das mit den Haaren, die sie Calcifer gibt, fand ich ziemlich aufgesetzt…). Ich mochte vielmehr Hauros Aussehen nicht. Das ist dieses kitschige teenige Emo-Jungs-Aussehen, das alle schwärmenden Mädels cool finden sollen, mit den gebleichten Haaren. Und natürlich ist es ein ganz lieber, sanftmütiger Kerl. Mit blauen Augen. Was noch? ;)

  5. Vampirzähne? :-D

  6. Au ja. Dann hätten wir das Twilight-Klische gleich auch noch drin :D

  7. […] Seriously. Highlight: Mamma Aiuto. Definitiv. Lowlight: Komischer Flughimmel-himmel. 7. Das wandelnde Schloss Eine junge Näherin findet sich in Kriegszeiten in Zauberer Hauros wandelndem Schloss wieder, wo […]

  8. Das wandelnde Schloss ist ein von den besten Miyazaki-Filmen. Mit seinem Lieblingsthema – Liebe gegen Krieg. Und Joe Hisaishi hat wieder ein Kunststück geschrieben. Das ist ein tolles Duo!


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